- 08.06.2026
Wenn Hitze zur Gesundheitsgefahr wird Gemeinsame Pressemitteilung des Aktionsbündnis Klimawandel
Gemeinsame Pressemitteilung des Ministeriums für Soziales, Arbeit und Gesundheit, der Landesapothekerkammer, Landesärztekammer und Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg sowie des Deutschen Wetterdienstes
Extreme Hitze wird auch in Baden-Württemberg zunehmend zur ernsthaften Gesundheitsgefahr. Anlässlich des bundesweiten Hitzeaktionstags am 11. Juni fordert Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand mehr Vorsorge und Aufmerksamkeit – und stellt den Schutz der Bevölkerung in den Mittelpunkt. „Hitze ist kein Sommerphänomen, sondern ein wachsendes Gesundheitsrisiko“, sagte der Minister am Montag (8. Juni) in Stuttgart. „Wir erleben immer frühere, längere und intensivere Hitzewellen. Darauf müssen wir uns konsequent vorbereiten: in den Kommunen, in Einrichtungen und im Alltag jeder und jedes Einzelnen.“
Bereits Ende Mai und damit ungewöhnlich früh gab es dieses Jahr die erste Hitzewelle bei uns im Land. Hält die Hitze über mehrere Tage und Nächte an, kann sich der Körper nicht erholen. Die Folgen für die Bürgerinnen und Bürger sind vielfältig: Sie reichen von Erschöpfung, Kreislaufproblemen und Dehydrierung bis hin zu schweren gesundheitlichen Notfällen und erhöhter Sterblichkeit. „Die größte Gefahr ist, dass wir Hitze unterschätzen“, sagte Hildenbrand weiter. „Unser Ziel ist klar: Wir möchten bestmöglich über die Gefahren von Hitze aufklären und die Kommunen und Einrichtungen im Land beim Hitzeschutz unterstützen. Wir begrüßen, dass es bereits Vorreiterkommunen gibt, die Hitzewellen in ihre Krisenvorbereitung aufgenommen haben. Nun gilt es, die Bürgerinnen und Bürger im Land abzuholen, damit alle wissen, wie sie sich bei extremer Hitze schützen können.“ Der Minister betonte auch die besondere Verantwortung für gefährdete Gruppen: Ältere Menschen, Pflegebedürftige, Säuglinge, Kleinkinder und Menschen mit Vorerkrankungen brauchen unseren besonderen Schutz. Zu den Risikogruppen zählen auch obdachlose Menschen sowie Personen, die im Freien und/oder körperlich schwer arbeiten. Hitzeschutz ist immer auch eine ganz konkrete Frage der Solidarität.
Wie sich Kommunen und Einrichtungen besser auf Extremhitze vorbereiten können, soll der digitale Fachtag „Klimawandel und Extremhitze: Wie schützen wir unsere Gesundheit?“ zeigen, zu dem das Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit am Mittwoch, dem 10. Juni 2026 einlädt. Die Veranstaltung richtet sich an Kommunen, Gesundheitsämter sowie weitere interessierte Einrichtungen, insbesondere Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Im Fokus stehen praxisnahe Beispiele, konkrete Handlungsmöglichkeiten und neue Erkenntnisse zur Vorbereitung auf Extremhitze.
Auch die Fachpartner des Aktionsbündnisses Klimawandel und Gesundheit unterstreichen die Dringlichkeit:
Dr. Robin Maitra (Landesärztekammer): „Der Hitzeaktionstag ist ein Zeichen für den Gesundheitsschutz. Hitzetage sind keine Theorie, sondern eine reale Gefahr für alle. Denn Kreislaufprobleme, Dehydrierung und gesundheitliche Notfälle können schwerwiegende Konsequenzen haben. Mehr Aufmerksamkeit und besserer Hitzeschutz gehen daher uns alle an. Zudem ist solidarisches Handeln notwendig, um gerade die Gesundheit besonders gefährdeter Menschen wirksam zu schützen.“
Dr. Erik Nordmann (Landespsychotherapeutenkammer): „Leider wird oft zu wenig beachtet, dass Hitzetage nicht nur eine Gefahr für die körperliche Gesundheit sind, sondern auch für die Psyche. Auch gesunde Menschen reagieren oft mit einer Abnahme der psychischen Belastbarkeit und Konzentration. Die geistige Leistungsfähigkeit wird beeinträchtigt, während Reizbarkeit und psychische Labilität zunehmen. Bei schon vorher bestehenden psychischen Problemen und Störungen wie Depressionen oder Ängsten droht unter Umständen eine riskante Zunahme der Symptome. Deshalb sind Aufklärung und präventive Schutzmaßnahmen auch für unsere Psyche wichtig.“
Dr. Björn Schittenhelm (Landesapothekerkammer): „Die Risiken von Hitze bei verschiedenen Arzneimitteltherapien werden häufig unterschätzt. Nicht nur Arzneimittel selbst müssen stets unter 25°C oder teilweise gekühlt gelagert werden, auch bei der Einnahme haben hohe Temperaturen Auswirkungen auf den Körper. Manche Arzneimittel senken die Temperaturresilienz oder sorgen dafür, dass schneller ein Sonnenbrand entsteht. Patientinnen und Patienten sollen sich daher unbedingt verstärkt beraten lassen, wenn das Thermometer hohe Temperaturen anzeigt.“
Die Zukunft wird heiß
Dr. Stefan Muthers vom Deutsche Wetterdienst (DWD) wirft beim Fachtag einen Blick auf vergangene sowie kommende Hitzewellen: "Der Klimawandel ist in vollem Gange. Wir beobachten weltweit regelmäßig neue und immer extremere Hitzewellen. Auch in Baden-Württemberg müssen wir uns bereits heute auf neue Hitzerekorde einstellen und uns als Gesellschaft entsprechend darauf vorbereiten. Als Deutscher Wetterdienst werden wir demnächst eine dritte Hitzewarnstufe etablieren, um die Bevölkerung frühzeitig vor extremen Hitzewellen zu warnen."
Weitere Informationen
Der digitale Fachtag wird vom Aktionsbündnis Klimawandel und Gesundheit veranstaltet, einer Kooperation zwischen dem Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, dem Deutschen Wetterdienst, der Landesärztekammer, der Landesapothekerkammer und der Landespsychotherapeutenkammer.
Weitere Informationen und Hitzeschutz-Tipps des Landesgesundheitsamtes